Kaffee: Ein Muntermacher?

"Kaffee am Abend führt zu Schlafstörungen, macht süchtig, entzieht dem Körper Flüssigkeit, sagt die Zukunft voraus, hilft gegen Kopfschmerzen und regt die Verdauung an!“, oder?!… Diese Volksweisheiten rund um das Thema Kaffee hat wohl jeder schon einmal gehört. 

 

Kaffee ist neben Bier eines der Lieblingsgetränke der ÖsterreicherInnen und rund 85% konsumieren ihn täglich. Über 900 Tassen wurden im Schnitt im Jahr 2018 hierzulande pro Person getrunken. Das sind im Durschnitt 2,5 Tassen Kaffee pro Tag. Trotz der großen Kaffeeliebe halten sich noch immer hartnäckige Gerüchte, Vorurteile und Möchtegern-Fakten um das schwarze Gebräu, doch was steckt wirklich dahinter? Handelt es sich um einen Mythos oder um Wahrheit? Dem Kaffee „auf die Bohne…gefühlt“…

 

„Verdauungsschnapserl“ oder Espresso nach dem Essen, was hilft besser?

Alkohol erweitert die Blutgefäße und hat dadurch auf die Magenmuskulatur eine entspannende Wirkung. Weshalb sich lediglich das Völlegefühl ändert und dem Körper vermittelt, dass es die Verdauung antreibt. Dabei hat es einen eher gegenteiligen Effekt und verlangsamt die Verdauung. Nebenbei wird dem Körper noch zusätzliche Kalorien zugeführt. Deshalb empfiehlt sich nach einer üppigen Mahlzeit lieber zum Kaffee zu greifen. Er kann die Darmaktivität anregen und helfen die Darmentleerung auszulösen.

 

Kaffee macht süchtig!

Ist Koffein ein echtes Suchtmittel wie Nikotin? NEIN! Kaffee macht laut WHO definitiv nicht abhängig und wurde als nicht süchtig machendes Mittel eingestuft. Drogen sprechen im Vergleich zu Kaffee im Gehirn das Belohnungssystem an, wodurch ein Hochgefühl entsteht. Koffein löst keinen solchen Effekt aus. Bei Kaffee-Vieltrinkern kann ausschließlich ein gewisser Gewöhnungseffekt eintreten. Trotzdem können manche Menschen beim Absetzen von Kaffee aber vorübergehend Symptome erleben, die einem Entzug gleichen. Dazu zählen u.a. Kopfschmerzen, Müdigkeit, niedergeschlagene Stimmung, zittrige Hände und Blutdruckschwankungen.

 

Kaffee führt zu Einschlafproblemen!

Raubt einem der Kaffee am späten Nachmittag/Abend tatsächlich den Schlaf? Nicht unbedingt! Studien weisen darauf hin, dass sich die Schlafqualität durch Koffein verschlechtern und die Schlafenszeit verkürzen kann. Schuld ist, dass der körpereigene Botenstoff Adenosin, der dafür sorgt, dass man müde wird, durch Koffein verdrängt wird. Allerdings muss das nicht bei allen Menschen der Fall sein. Es gibt auch Frauen und Männer, die nach einem Kaffee sogar besser schlafen als ohne. Das ist individuell sehr verschieden. Der Grund, warum manche Menschen mit Kaffee sogar besser schlafen, ist jedoch noch nicht genau erforscht. Daher am besten ausprobieren und persönlich entscheiden, ob ein Kaffee zur späteren Stunde gut tut oder nicht.

 

Vom Kaffee bekommt man gelbe Zähne!

RICHTIG! Wer häufig Getränke, wie Kaffee, Tee oder Rotwein trinkt, muss damit rechnen, dass die Zähne mit der Zeit eine leicht bräunlich-gelbe Farbe annehmen können. Grund dafür ist, dass die Oberfläche der Zähne mikroskopisch kleine Rauigkeiten aufweisen. In diesen lagern sich alle möglichen Pigmente aus Nahrungsmitteln ein. So zum Beispiel auch der natürliche Farbstoff aus Kaffee.

 

Entzieht Kaffee dem Körper Flüssigkeit?

Das Gerücht, dass Kaffee dem Körper Flüssigkeit entzieht kursiert schon seit Jahrzehnten in den Köpfen. Tatsächlich ist es so, dass das enthaltene Koffein eine harntreibende Wirkung hat und dadurch Flüssigkeit ausgeschieden wird. Dass Kaffee dem Körper Flüssigkeit entzieht kann man so aber nicht direkt sagen. Große Mengen Kaffee führen nur bei jenen Personen zu einer erhöhten Wasserausscheidung, die nicht daran gewöhnt sind. Bei Menschen, die regelmäßig Kaffee trinken, ist der harntreibende Effekt dagegen geringer. Je Tasse Kaffee ein Glas Wasser zur Geschmacksneutralisierung dazu zu trinken ist dennoch sinnvoll. Schließlich trinken die Meisten ohnedies zu wenig. Zugleich kann so, die täglich empfohlene Flüssigkeitszufuhr leichter erreicht werden. 

 

Wie viele Tassen Kaffee pro Tag sind erlaubt?

400 mg Koffein sind für nicht schwangere oder stillende Erwachsene pro Tag maximal empfohlen und unbedenklich. Dies entspricht in etwa 3-4 Tassen (zu je 125 ml) Kaffee pro Tag. Werden zusätzlich andere Koffeinhaltige Getränke wie Schwarztee, Grüner Tee, Eistee, Cola usw. getrunken, gehören diese Koffeinmengen jedoch auch mitgezählt. Nicht vergessen: Eines haben alle Muntermacher neben dem Koffein noch gemeinsam: Sie sind Genussmittel und sind nicht zum Durstlöschen gedacht, sondern in Maßen zu konsumieren!

 

Gesundheitsfördernde Wirkung?

PatientInnen mit Lebererkrankung, Diabetes, erhöhter Harnsäure (Gicht) und auch SportlerInnen können vom Koffein möglicherweise sogar profitieren. Viele AusdauersportlerInnen trinken vor dem Wettkampf Kaffee, weil er den Kreislauf anregt und die Durchblutung der Muskulatur fördert. Ob Kaffee auch den langfristigen Trainingseffekt steigert, ist bislang aber nicht geklärt. Der tägliche Kaffeekonsum kann den Harnsäurespiegel im Blut etwas senken, der in einem engen Zusammenhang mit Gichterkrankungen steht. Auch die Insulinsensitivität bei Diabetes kann durch das Koffein verbessert werden. Aber VORSICHT: auch hier gilt, „die Dosis macht das Gift“ - ab hohen bis sehr hohen Einzeldosen, von 400 – 800 mg Koffein, kann es negative Auswirkungen, wie z.B. Nervosität, Angst, Aggressivität, Schlafstörungen sowie Herzrasen, auslösen.

 

„400mg Koffein sind für Erwachsene pro Tag maximal empfohlen und unbedenk- lich. Dies entspricht in etwa 3-4 Tassen Kaffee pro Tag“, erklärt Diätologin Kerstin Hopfer, BSc.

 

Kerstin Hopfer, BSc

Diätologin

Tel.: 0664/422 90 99

E-Mail: kerstinhopfer@a1.net

www.kerstinhoefler.at